AVEM
AVEM: Arbeitsbezogene Verhaltens- und Erlebensmuster Image

Autoren: U. Schaarschmidt, A. Fischer
 
Anwendungsbereiche
 
AVEM eignet sich insbesondere für Fragestellungen der Personalentwicklung und Arbeitsgestaltung unter Gesundheitsbezug. Das Verfahren erlaubt Aussagen über gesundheitsförderliche bzw. -gefährdende Verhaltens- und Erlebensweisen bei der Bewältigung von Arbeits- und Berufsanforderungen. Sein Einsatz ist in allen beruflichen Bereichen möglich. Die Ergebnisse des AVEM sind erstens für die personenbezogene Intervention nutzbar. Zweitens sind sie vor allem dann, wenn ganze Arbeitsbereiche einbezogen werden, auch für die gesundheitsfördernde Arbeits- und Organisationsgestaltung heranzuziehen. In beiden Fällen empfiehlt sich der Einsatz i. S. der Vor- und Nachmessung, um auch Interventionseffekte kontrollieren zu können. Gerade unter diesem Aspekt hat AVEM auch zunehmende Verbreitung im Bereich der beruflichen Rehabilitation gefunden.
Mit der dritten Auflage wird zusätzlich zur bisherigen Standardform mit 66 Items auch eine Kurzform mit 44 Items bereitgestellt (AVEM-44). Die Standardform ist bevorzugt für individualdiagnostische Fragestellungen gedacht, die Kurzform vor allem für Studien mit größeren Personenzahlen, bei denen gruppenbezogene Aussagen angezielt sind. Neben zusätzlichen Ausführungen zum Verfahrenskonzept und zu jüngeren Validierungsstudien sowie qualifizierenden Hinweisen zur Ergebnisinterpretation sind ihr – gestützt auf die Daten von nunmehr 31.979 Personen – aktualisierte und noch differenziertere Normen zu entnehmen (für verschiedende Berufsgruppen, Studierende bzw. Auszubildende und Patienten, unterschieden nach deutschen und österreichischen Normstichproben).

Aufbau
 
AVEM ist ein mehrdimensionales persönlichkeitsdiagnostisches Verfahren. Es werden Selbsteinschätzungen auf elf theoretisch begründeten und faktorenanalytisch untermauerten Dimensionen erhoben. Das Zueinander dieser Dimensionen wird im Weiteren in vier arbeitsbezogenen Verhaltens- und Erlebensmustern ausgedrückt: G (Gesundheit), S (Schonung), A (Risiko i. S. der Selbstüberforderung) und B (Risiko i. S. von chronischem Erschöpfungserleben und Resignation). Für jede Person wird die Ähnlichkeit ihres Profils mit diesen vier Referenzmustern ermittelt.

Gütekriterien
 
Reliabilität: AVEM weist in allen elf Skalen hohe innere Konsistenz auf (Cronbachs Alpha für die Standardform zwischen .79 und .87, für die Kurzform zwischen .75 und .83.). Erwartungsgemäß liegen die Stabilitätskoeffizienten niedriger. Sie lassen eine Veränderbarkeit der Merkmale in Abhängigkeit von der Zeitspanne und der Variabilität der Umweltbedingungen erkennen. Es ist also gewährleistet, dass mittels AVEM zuverlässig und zugleich veränderungssensitiv gemessen werden kann. Damit erlaubt es der wiederholte Einsatz des Verfahrens, arbeits- wie auch interventionsbedingte Modifikationen abzubilden (auf der Ebene der Skalen und der Muster).
Validität: AVEM ist ein umfassend validiertes Verfahren. Die Validität wird durch Ergebnisse auf mehreren Ebenen belegt: Erstens ist eine klare, mit der Messintention übereinstimmende und bei verschiedenen Stichproben replizierbare Faktoren- und Clusterstruktur hervorzuheben. Zweitens konnten für die einzelnen Skalen inhaltlich schlüssige Beziehungen zu Merkmalen anderer Verfahren bestätigt werden. Drittens ließ sich für die vier Verhaltens- und Erlebensmuster anhand einer Vielzahl von Binnen- und Außenkriterien die Gesundheitsrelevanz überzeugend nachweisen.

Besonderheiten
 
AVEM wird mit einem computergestützten Auswertungsprogramm geliefert. Die Software wurde überarbeitet und ist mit einer Datenbank ausgestattet, welche eine Archivierung der Testdaten etwa für Langzeitstudien oder Nachtests ermöglicht. Das Programm benötigt Windows.

In Anwendung seit 1996, 3. Auflage 2008